Rennberichte 2011

RENNBERICHT Stevens Cyclocross Cup Norderstedt 09.10.2011

von Susi Rautenberg

Bilder

„Fährst Du oder schiebst Du?"

Anne zu Susi, die mit gesenktem Kopf und gebrochenem Vorderrad nach der Einrollrunde wie ein geprügelter Hund zu Fuß zum Mechaniker ging


Nachdem wir gestern den Wald leergefegt haben und kein Laubblatt, kein Hölzlein, keine Tannenadel den Waldboden berührte, konnte heute bei bestem Crosswetter und allerbester Laune allerseits der Stevens-Crosscup-Saisonauftakt starten.

Viel Lob gab es für die Strecke, die Vorbereitungen und Ausschilderungen, für die Verpflegung und ach - es war ein toller Tag!


Etwas müde noch trafen wir uns zur unchristlichen Zeit VOR 8 Uhr, um die letzten Vorbereitungen zu treffen und die Strecke erneut abzulaufen, ob sich ggf. ein Herbstblatt getraut hat, auf den Boden zu fallen. Anne stand 2min. tatenlos herum und wurde gebeten, „sich bei Susi zu melden, weil es da immer etwas zu lachen gibt!" Aha. Als dann gewünscht wurde, auch den Zuschauerraum von Blättern zu befreien, haben Anne und ich uns vom Acker gemacht. Hätte ich das mal gelassen... Weil es dann ausnahmsweise mal nichts zu lachen gab:

Wir sind auf der Einrollrunde, ich direkt hinter Anne. Wo die Chefin fährt, will ich auch fahren. Leider ist Annes Geschwindigkeit nicht kompatibel mit meinen Augen und so bin ich haarscharf an einem abgeflatterten Baumstumpf vorbei gerauscht. „Upps, das war knapp" denke ich noch, als ich frontal gegen den nächstliegenden (zu der Zeit noch nicht beflatterten) Stumpf prallte. Das muss mir mal einer nachmachen: gefühlte 1,0m im Durchmesser und wahrlich nicht in der Mitte der Strecke. Das Krachen den Vorderrades, als selbiges in den Stumpf einschlug, werde ich nie vergessen. Ich stieg so elegant wie möglich ab: Füße aus den Pedalen, vorwärts über den Lenker, mit den Knien bremsen, und das übliche Abrollen über die rechte Schulter. Lag ich da mitten auf der Strecke und schämte mich! Große Augen machte Anne nicht mal wegen des zertrümmerten Vorderrades („Das ist nur Material!"), sondern weil meine Schulter eine tiefe Delle im geharkten Waldboden hinterließ. Und ich? Heil. Keinen Kratzer, kein Blut, kein ausgekugelte Kniescheibe, kein Schlüsselbeinbruch. Das einzige was zerbrochen ist, ist mein Herz (ich schämte mich wirklich) und mein Rahmen. RAHMENBRUCH BEI RAUTENBERG!! Da fahre ich 3 Jahre ohne eine einzige Panne. Kein Plattfuß, keine kaputte Speiche, keine „Schaaaaltuuuuung!" nix. 3 Jahre fährt mein Ersatzrad tatenlos mit, 3 Jahre steht es schmollend in der Wechselzone. Und nun also ein 52er Rahmen an mehreren Stellen gerissen und ein welliges Lenkkopflager... Irreparabel.

Ich also zu Fuß zum Mechaniker, noch Annes Frage im Kopf „Fährst Du oder schiebst Du?" und denke mir, wollte sie sagen „Schiebst Du oder trägst Du?" oder gar „Fährst Du noch oder läufst Du schon?" Ob die Tränen in den Augen nun Peinlichtränen, Auatränen oder Hysterisches-Gekicher-unterdrücken-Tränen waren, weiß ich heute auch nicht mehr.

Wer nicht humpelt, kann starten! Durfte sogar aus der 1. Reihe starten, fühlte mich gebauchpinselt. Peng! Und los ging es. Bin als 3. in die erste Kurve, musste dann doch einige Mädels ziehen lassen und hab ein eher unspannendes Rennen gefahren. Wichtig war, nicht zu stürzen, ordentlich Gas zu geben und möglichst fehlerfrei durch den gefegten Wald zu fahren.

Das zumindest ist mir gelungen und mit Platz 7 bei der diesjährigen Konkurrenz kann ich zufrieden sein. War einfach ein blöder Auftakt und hat dennoch ein gutes Ende genommen;


Die Flussfisch-Ergebnisse: Platz 2 Solveig, Holzmedaille an Anne, Platz 7 Susi, Platz 8 Kirsten,
Platz 11 Julia und Platz 14 Ines.


In diesem Sinne, wir sehen uns im Wald,
Lieber Gruß von Susi

 

RENNBERICHT Vattenfall Cyclassics 21.08.2011

von Susi Rautenberg

„STÖHNST DU IM BETT AUCH SO?"
Frage eines unterzuckerten Rennfahrers am Kösterberg, nachdem ich Sternchen angefeuert habe.


Beim Abholen der Startunterlagen sind mir die Augen wie Schuppen aus den Haaren gefallen: STARTBLOCK A!! Das ist eine mehr als klare Ansage und Lohn aller (Trainings-) Mühen: noch weiter vorne kann man nicht stehen. Für mich eine Ehre!

Mein großes Ziel im 4. Jahr der Cyclassics: 1x unter 4 Stunden bleiben. 1x den 39er Schnitt knacken. 1x eine 3 als erste Zahl der Gesamtzeit...

Was macht ein trainiertes Ehepaar im gemeinsamen Startblock? Zusammen fahren? getrennt fahren? Aufeinander (also dann Tom auf Susi) warten? Wir haben alle Möglichkeiten durchgesprochen und einstimmig beschlossen: getrennt! jeder fährt sein Rennen.

Ausgeschlafen und mit Sonne im Gesicht sind wir zum Startblock gerollert. 495 Männer und 5 Frauen im Block.

Susis Eindruck: "Das riecht hier nach Testosteron und Männerschweiß!"
Thomas' Eindruck: "Wenn ich diese Waden vor mir sehe, wird mir Angst und Bange!"

Startschuss. Es kam exakt wie Tom voraus sagte: "ich glaub schon, dass Du mein Hinterrad halten kannst, aber wenn ich meine Haken schlage, bin ich weg."

Genau. :-)

So hab ich mich auf MEINE Beine, MEIN Rennen und MEINE Mitstreiter(innen) konzentriert. Die Köhlbrandbrücke sollte die müden Beine muntermachen. Schade, dass das Highlight gleich zu Beginn des Rennens kam. Ein Riesenpulk, keine Chance zum Genießen - aber wir sind ja auch im Rennen und nicht auf Radsafari.

Bei 30km und einem ganz fiesen Hügel musste ich kurzfristig die Segel streichen: die Jungs sind zu schnell. Hab mich aber wieder gefangen und mit einer Handvoll Männer haben wir es geschafft, die Gruppe wieder zu erreichen. Tolles Teamwork und ja, ich hab es fast geschafft, NICHT vorne zu fahren!!!

Dann denke ich: "Was macht denn das Auto da vorne in der Mitte?" kurz darauf "Der spinnt ja, der muss doch sehen, dass er da weg kommt!"
ICH SCHWÖRE!! Ich habe nicht begriffen, dass da vorne in (weiterer) Sichtweite das FÜHRUNGSFAHRZEUG fährt...

Unruhige Fahrweise vor uns, Unfälle neben uns, Geschrei hinter uns: es ist nicht nur für die Beine anstrengend, im schnellsten Block zu starten. Kann mir mal einer von Euch erzählen, warum Männer auf gerader Strecke bergab panisch bremsen, obwohl KEINE Hindernisse in Sicht sind? Mir ist das unerklärlich und manchmal hab ich mich in Block D zurück gesehnt.

Die Südschleife hatte ich nach 02:24 Std. passiert und hatte nach der Kennedeybrücke einen kleinen Durchhänger, auch weil niemand dort zum Anfeuern stand. Das war schade und anders als geplant.

Da sagt eine Konkurrentin („Blondie")zu mir: Kommkommkommkomm, jetzt nicht aufgeben. Recht hat sie!! Unglaublich, wie man sich in so einem Rennen zusammen reißen kann.

...Die gute, taktische Verpflegung hat mich gerettet: alle exakt 30km hab ich ein Gel getrunken, alle 40km war eine Trinkflasche leer. Ich hab es geschafft, wieder eine Gruppe zu erreichen. Das war mein persönliches Highlight. Das war stark!

Über die LSE im Windschatten konnte ich mich sogar "etwas erholen", die Zuschauer am Straßenrand in Holm taten ihr Übriges: ich hatte das Führungsfahrzeug wieder im Blick. Unter lautem Getöse durch Wedel und auf dem direkten (Heim-)Weg zum Kösterberg.

Ich hatte 135km harte Rennkilometer in den Beinen, als es am Kösterberg eine Trennung und ein Wiedersehen gab: Hier trennte sich die Spreu vom Weizen, die Führungsgruppe zischte über die Wadenbeißerhügel und wir mussten das Führungsauto samt Gruppe ziehen lassen. Hab alles gegeben und die Zähne zusammen gebissen: DA!

DA! VORNE! THOOOOOOOOOOOOOMAAAAAAAAAAAS; STERNCHEN!!

„KommTomm, jetzt nicht aufgeben!" brülle ich in seinen Rücken. Da schreit ein Zuschauer: Susannne, Ziiiieeeeehhhh! Wir haben beide unseren Torpedo gezündet und sind zusammen über die Hügel. Wiedervereint. Gänsehaut nach 137km...

Die letzten km bis ins Ziel. Eine Ansammlung von Männern samt Susi versuchten sich am Belgischen Kreisel, leider wurde es nur ein Holländisches Ei: mangels Konzentration haben wir das Unterfangen aufgegeben und sind mehr recht als schlecht getreten.

2km vorm Ziel. Ich zu Tom: „Blondie!"

Er wusste sofort was ich meine. Die blonde Konkurrentin (übrigens eine ganz fröhliche, positive Person!!), die wollte ich noch kassieren. Das bedeutet einen Platz weiter vorne. Thomas fährt einen Sprint für mich an, durch die Menge an Radlern. Nicht ganz ungefährlich, aber sehr besonnen gefahren.

Ich fahre vorbei, sie kapiert, will mit. Da bin ich 1km vor dem Ziel aus dem Sattel, bin getreten um mein Leben, hab nur noch geguckt, dass ich niemanden behindere. Thomas hinter mir hat versucht, Blondie vom Überholen abzuhalten. Ich hab mich nicht mehr umgeblickt. DA! Tom kommt neben mir, wir berühren nur leicht unsere Arme, beide halten die Hände an den Lenker, wie es sich gehört und fahren GEMEINSAM NEBENEINANDER nach 157km und einer unglaublichen Zeit von 03:49:54 Std. über die Ziellinie. Durchschnittsgeschwindigkeit von 41.03 km/h. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Sturzfrei. Persönliche Bestzeit. Sonne. Material super. Keinen Hungerast - mit ganz ganz viel Gefühl im Bauch und ein paar Tränchen später haben wir uns im Schatten umarmt. Platz 1 in meiner Altersklasse, Gesamtzweite - das kann ich nicht mehr toppen. Es ist erst vier Jahre her, dass ich Angst vor'm Besenwagen hatte auf meiner alleresten Runde...

Es war der perfekte Tag!
Eure Susi Sausewind, so darf ich mich jetzt offiziell nennen...

P.S: die Antwort auf die eingangs gestellte Frage lautete: „Ja. Aber das wirst Du sowieso nie hören!" 

P.P.S: Auch allen anderen Flussfischen ganz herzlichen Glückwunsch - so hat Turbo-Ines das Damenrennen der 100km für sich entschieden! Super!

 

3 Tage - 3 Rennen

von Christiane Wolf

Vom 22.07. bis 24.07 nahmen Lisa und ich (Christiane) gemeinsam als Flussfische an der LBS CUP Team Tour Baden-Württemberg 2011 teil. Die Team Tour besteht aus drei Rundstreckenrennen, die als Etappenfahrt mit Spitzenreiter- und Sprinter-Trikot sowie einer Gesamtwertung ausgetragen werden. Da es an allen Tagen ein gemeinsames Feld von Frauen, Juniorinnen und weiblicher Jugend U17 gab, standen jeweils etwa vierzig Rennerinnen am Start.
1. Tag in Wendlingen: 40km, die über 35 Runden auf einem topfebenen und schnellen Kurs bewältigt werden mussten. Zwischendrin Wertungsrunden fürs Sprinter-Trikot und Bargeldprämien. Durch die ungewohnte Größe des Feldes finde ich nicht so schnell ins Rennen und kann mich schlecht behaupten. Immer wieder muss ich meine Position im vorderen Teil des Feldes neu suchen, was mich viel Kraft kostet. Besser läuft es bei Lisa. Das ganze Rennen über kann sie in der Spitze des Feldes mitfahren. Etwa zehn Runden vor Schluss zischt es und ich habe einen Platten. Zum Glück gibt es Rundenvergütung! Weiter geht's. Bis zum Ende des Rennens passiert aus Lisas und meiner Sicht nicht mehr viel. Im Massensprint in der letzten Runde wird Lisa Sechste und ich Elfte.
2. Tag in Mönchsweiler: Im Vergleich zum Vortag ist die heutige Strecke leicht wellig, aber wieder 40km lang. Auf der Start-/Zielgeraden muss 25 Mal ein 500m langer Anstieg mit 4% bewältigt werden. Das tut uns heute besonders in den Wertungs- und Prämienrunden weh, weil weder Hamburg noch Leipzig das richtige Trainingsterrain für Bergfahrten bieten. Lisa kämpft sich trotzdem bis zum Ende des Rennens im Feld durch und verpasst mit Platz vier nur knapp das Treppchen! Super Leistung! Ich komme wieder als Elfte ins Ziel.
3. Tag in Plattenhardt: So „hart" wie der Name des Austragungsortes klingt, so schwierig war auch der 2km lange Kurs, der 20 Mal bezwungen werden musste. Nach Start/Ziel ging es erst mal einige hundert Meter bergab, dann folgte eine Links-rechts-Schikane, die während des Rennens auch zu zwei Stürzen führte, nach einer weiteren Linkskurve ging es dann in eine 800m lange Steigung, die vor der Einbiegung auf die kurze Zielgerade knapp 12% aufwies. Lisa und ich fahren heute zusammen in einer Verfolgergruppe. Ein richtiges Feld gibt es heute praktisch gar nicht und fast alle Fahrerinnen kommen grüppchenweise oder allein ins Ziel. Aufgrund des selektiven Kurses ergeben sich aus den heutigen Platzierungen zwangsweise auch die Gesamtplatzierungen. Lisa wird Siebte und ich Neunte.
Insgesamt ein zufriedenstellendes Ergebnis und eine schöne Veranstaltung!

Mtb-Rennen Löbichau - Halde Beerwalde - Wildenbörten (01.05.2011)

von Christiane Wolf

Eigentlich läuft ja gerade die Straßensaison so richtig an und das Crossrad wurde auch schon längst eingemottet. Trotzdem ließ ich es mir nicht nehmen am 01. Mai ins thüringische Löbichau (in der Nähe von Schmölln) zu fahren und mich dort an den Start eines Mtb-Rennens zu stellen, allerdings mangels Mtb mit meinem Crosser.
Von den drei zur Wahl stehenden Streckenlängen entschied ich mich für die mittlere Distanz von 48km, für die es eine 24km Runde mit rund 400hm zweimal zu bewältigen galt. Bei bestem Wetter wurde das Rennen Punkt 13 Uhr gestartet, wobei die Startaufstellung aller TeilnehmerInnen in Blöcken nach Streckenlänge nur mittelmäßig klappte. Trotzdem konnte ich mir einen Platz im vorderen Drittel erkämpfen und nur wenige Meter vor mir eine weitere Frau erspähen, die, an der Startnummer zu erkennen, zu meiner Konkurrenz auf der 48km-Runde gehörte. Nach dem Startschuss suchte ich mir auf der 3km langen Einführungsrunde daher sofort ihr Hinterrad. Die eigentliche Strecke begann zunächst im einfachen Gelände: gut befestige Feldwege, ein bisschen asphaltierte Straße und ein kurzer Singletrail durch den Wald. Nach einem weiteren kurzen Stück Straße wurde es dann ein bisschen schwieriger. Eine etwas längere Abfahrt auf einem Feldweg mit einigen Lehmkanten und Betonquerrinnen, die zwar auch mit dem Crosser fahrbar waren, für die ich mir insgeheim aber eine Federgabel gewünscht hätte. Der Feldweg verengte sich schließlich zu einem Trampelpfad und führte auf eine Wiese, auf der es dann abrupt steil bergauf ging. Das Feld - nun eine langgezogene Einerreihe - ließ hier das Hochfahren nicht zu, also runter vom Rad und flugs hochgeschoben. Meine Konkurrentin vom Start, Nr. 146, hatte ich immer noch im Blick, der mir auch bis kurz vor Ende der ersten Runde nicht verloren gehen sollte. Der weitere Streckenverlauf ist schnell beschrieben: immer mal wieder kurze Straßenstücke, aber zunehmend mehr Feldwege mit besonders viel groben Schotter und immer wieder tiefe Regenquerrinnen in den Abfahrten, die es mir mit dem Crossrad besonders schwer machten an den Mtbs dranzubleiben. Auf der Abfahrt von der Halde herunter musste ich daher auch die Nr. 146 ziehen lassen und war dadurch fast die gesamte zweite Runde auf mich allein gestellt, denn mittlerweile war das Starterfeld bereits äußerst ausgedünnt.
Mit etwa 1 Minute und 30 Sekunden Rückstand erreichte ich schließlich als zweite Frau das Ziel. Fazit: Ich freue mich über meine erste Platzierung auf dem Treppchen dieses Jahr und bin begeistert, dass mein Becken nach dem Sturz im vergangenen Jahr wieder bestens zusammengewachsen zu sein scheint, um solche Belastungen auszuhalten.

Landesmeisterschaft im Einzelzeitfahren Sachsen/ Sachsen-Anhalt in Möckern (07.05.2011)

von Christiane Wolf

Wie jedes Jahr im Mai stehen in allen Verbänden bundesweit die Landesmeisterschaften im Einzelzeitfahren und 1er Straße an einem Wochenende auf dem Programm. Gab es 2010 in Sachsen nur ein Straßenrennen, gab es in diesem Jahr nur das Einzelzeitfahren. Austragungsort dafür war Möckern/ OT Tryppehna in Sachsen-Anhalt.
Frei nach dem Motto „Pimp my Bike" wurde mein Straßenrad zum Zeitfahren mit Aufsatz, Scheibe und Hochprofil aufgerüstet, für mich gab‘s noch einen Zeitfahrhelm. Obwohl ich nicht spezifisch für das Zeitfahren trainiert hatte, motivierte das Material natürlich ungemein und die Aufregung bis zu meinem Start um 12.30 Uhr ging weit über die vor Straßenrennen gewohnte hinaus, so dass ich als gebürtige Norddeutsche den freundlichen Herren, der mich vor dem Start fragte, ob er mein Rad halten solle oder noch ein Freund von mir kommen würde um dies zu tun, in seinem anhaltinischen Dialekt fast nicht verstanden hätte. Schließlich ging es endlich los und schnell hatte ich Steffi Schulze aus Sachsen-Anhalt, die vor mir gestartet war, in Sichtweite und noch vor der ersten Wende konnte ich sie überholen. Das gab nochmal einen Motivationsschub. Dann passierte eine gefühlte Ewigkeit gar nichts: niemand in Sichtweite, niemand kam mir entgegen. Aber verfahren konnte man sich auf der 28km langen Strecke eigentlich nicht. Erst in der Nähe der nächsten Wende kamen mir wieder ein paar Fahrerinnen entgegen. Vom Gefühl her, dachte ich, ich müsste ganz gut dabei sein. Am Ende ist es leider nur die Holzmedaille hinter Katharina Fischer, Birgit Hollmann und Sara Korschewski (alle Landesverband Sachsen) geworden.

 

3 sonnige Wochenenden, 3 Rennen, 3 x Podest

April Mai 2011

Am Osterwochenende und den darauffolgenden Sonntagen gab es jeweils Rennen im Norden, auf deren Teilnahme ich mich freute.

Los ging es am Ostermontag bei dem neuen Rennen des Radssportvereins Neumünster „Rund um das Freesencenter". Das Freesencenter ist ein Einzelhandelsstandort mit kleinem Gewerbegebiet, wo an einem Feiertag nichts los ist. Ein 1,8 km Rundkurs, der 25 Mal zu durchfahren war, guten Asphalt und 6 gut zu nehmende Kurven beinhaltete, lag vor uns. Ich hatte Ostern viel trainiert und wollte mir noch etwas Tempohärte holen. Aufgrund des Ausfalls eines als Einlagerennen geplanten Skaterwettkampfs, konnten wir vor dem Start entspannt auf dem Kurs einrollern. Bei der Startaufstellung offenbarte der WA dann folgenden Plan: Frauen und U 19 fahren zusammen los, die Senioren würden 30 Sekunden später losgeschickt werden. Der Startschuss fiel und die U 19 hatten sich vom Frauenfeld abgesetzt, ehe wir alle in unseren Klickpedalen waren. Nur wenige Augenblicke später schluckten uns dann auch schon die Senioren und das Ausscheidungsrennen begann. Da mir zu viele Kurven und größere Felder nicht besonders liegen, war ich wenig optimistisch ins Rennen gegangen, musste dann aber feststellen, dass meine Konkurrentinnen nach und nach abreißen lassen mussten, bis ich mit brennenden Beine als einzige Frau noch an den Senioren dranhing. Irgendwann fand ich mich in einer Verfolgergruppe wieder und es wurde endlich etwas ruhiger. Schließlich wurden die überrundeten Fahrer herausgenommen und ich fuhr in einem kleinen Frauenfeld, wobei ich meine Mitfahrerinnen zu diesem Zeitpunkt bereits überrundet hatte, als Siegerin ins Ziel. Zweite wurde, nachdem es noch einige Diskussionen mit dem Zielgericht gab, Kirsten Dreier, gefolgt von Maren Sostmann. Für mich stand ein 41er Schnitt auf dem Tacho, es gab einen schönen Blumenstrauß und einen perfekten Abschluss des Osterwochenendes.
Herzlichen Dank an die Neumünsteraner für die Bereicherung des Wettkampfkalenders um ein tolles Rennen.

Am 1. Mai dann meine Lieblingsdisziplin: Nordmeisterschaft und Hamburger Meisterschaft im Einzelzeitfahren. Zwar war es wieder sonnig, aber es herrschte ein kalter und böiger Wind, der den flachen 10 km-Kurs, den wir 2x zu durchfahren hatte, meisterschaftswürdig machte. Ich fuhr mich ausführlich ein, ließ mein Rad prüfen und ging an den Start. Dort dann das Missgeschick: nachdem der Starter mich losgelassen hatte, blockierte meine Scheibe, wahrscheinlich verursacht durch das Festhalten des Starters und - anstatt ordentlich Gas zu geben - fiel ich einfach um. Ich berappelte mich, korrigierte mein Material und wollte zusehen, dass ich loskomme, als der zuständige Kommissär mir mitteilte, dass mir eine neue Startzeit zugeteilt wird. Also atmete ich noch mal durch und machte mich nach den Senioren 4 auf den Weg. 20 km sind kurz genug, um ordentlich zu powern, aber auch lang genug, um sich ordentlich zu verausgaben. Ich tat beides und erreichte nach 31:15 Minuten das Ziel. Dies bedeutete den 2. Platz gesamt hinter Manuela Haverkamp-Roisch und vor Lisa Müller-Ott und Stefanie Wasmundt. Damit war ich auch 2. der Hamburger Meisterschaft. Als ich vom Ausfahren kam, dann die böse Überraschung: gegen die Entscheidung des Kommissärs, betreffend die mir neu zugeteilte Startzeit, hatten Konkurrentinnen Protest eingelegt, so dass ich mit einer Strafminute belegt wurde. So wurde ich letztlich 4. gesamt, was ich insofern schade finde, als dass nicht die besseren Beine, sondern der berühmte „Grüne Tisch", zu diesem Ergebnis geführt haben. Die Hamburger Vize-Meisterschaft ist jedoch geblieben.

Umso schöner, dass am darauffolgenden Sonntag bei der Nordmeisterschaft und Hamburger Meisterschaft Straße die Möglichkeit einer Revanche bestand. Das Sonnenwetter hielt unverändert an und es war trotz eines kräftigen Windes sehr warm. Nachdem das Frauenfeld vergangenes Jahr doch sehr langsam unterwegs gewesen war, wurden wir dieses Jahr gleich mit den U17 und den Senioren 3 gemeinsam auf die Strecke geschickt. 10 Runden à 6,7 km standen an. Durch leichte Wellen, eine heftige Windkante und ein paar Unebenheiten im Asphalt, auch im Kurvenbereich, war der Kurs überraschend selektiv. Für uns Frauen hieß es also wieder: Ausscheidungsfahren. Michael Matzen von der RG Uni Hamburg gab mir noch den Tipp „kühlen Kopf, heißes Herz" mit auf den Weg und schon ging die Post ab. Nach der Hälfte des Rennens, das von Attacken, aber leider auch von Stürzen, geprägt war, war ich am Anschlag. Allerdings hatte sich das Feld zu diesem Zeitpunkt bereits sortiert: vorn war eine kleine Seniorengruppe mit den späteren Siegern der Senioren 3 Lars Erdmann und Jochen Zühlke unterwegs; dort war auch Carolin Schiff als einzige Frau und spätere unangefochtene Siegerin dabei. Dahinter folgten Benita Wesselhöft und ich zusammen mit Manfred Bartsch und 2 U17-Fahrern. Dann kam lange nichts bzw. abgesprengte Kleingruppen, in denen sich die übrigen Frauen aufhielten. Das Podest war also bereits vergeben, aber es war dennoch unglaublich hart, noch vernünftig bis ins Ziel zu fahren. Die U17 Fahrer beteiligten sich fast nicht an der Führungsarbeit, so dass wir zu 3tt gegen den Wind kämpften. Auf der Zielgerade fiel dann im Spurt - soweit die Beine noch etwas Sprintähnliches hergaben - die Entscheidung zwischen Benita und mir, welche zu meinen Gunsten ausging. Am Ende war ich damit 2. gesamt und Hamburger Meisterin und verbuchte einen schönen Abschluss der Verbandsmeisterschaften.

Jetzt ist für mich ein Wochenende rennfrei, bevor in der 2. Maihälfte die Rennen in Fiefbergen und Kellinghusen anstehen. Ich freu' mich schon drauf.

Eure Solveig

 



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